Glasfaserausbau in Deutschland: 80 Mrd. Euro Kosten geschätzt [Quelle: siehe Bildergalerie]
In Deutschland ist vielerorts noch altes Kupferkabel in die Haushalte verlegt, was einst zum Telefonieren völlig ausreichte. Doch hohe Geschwindigkeiten lassen sich so nicht erzielen. Richtig schnell wird es erst, wenn Glasfaser bis vor die Haustür liegt, doch auch hierfür braucht es eine passende Infrastruktur. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikationsdienste (WIK), das der Bundesnetzagentur angegliedert ist, würde ein flächendeckender Glasfaserausbau in Deutschland 70 bis 80 Milliarden Euro kosten.
Bei volkswirtschaftlichen Projekten wie diesem sei der Betrag durchaus überschaubar, doch die privaten Betreiber können den Ausbau kaum alleine binnen 10 Jahren stemmen. Diese investieren jährlich 3,2 Milliarden Euro in den Ausbau der TK-Infrastruktur. Beschleunigung verspricht man sich von Subventionen des Bundes oder Beteiligungen der Hausbesitzer. Die Studie kommt zum Schluss, dass ein Ausbau jedoch wirtschaftlich wenig sinnvoll wäre, denn die Kosten pro Anschluss würden sich auf 1.000 bis 4.000 Euro belaufen. Man geht davon aus, dass etwa 25 bis 45 Prozent der deutschen Haushalte ökonomisch sinnvoll zu erschließen wären.
Um das Ziel einer 75-prozentigen Abdeckung mit 50 MBit pro Sekunde bis 2013 zu erreichen, muss wohl weiter auf den Ausbau des klassischen Netzes gesetzt werden. Nüchtern betrachtet, wird es bei diesem infrastrukturellen Problem wohl nicht ohne politischen Einsatz gehen. Ähnlich wie bei Autobahnen ist eine Vollversorgung mit Glasfaser nur denkbar, wenn die Gemeinschaft dieses Mammutprojekt stemmt. Andernfalls wird es dabei bleiben, dass die Unternehmen den Ausbau auf die wirtschaftlichen Regionen beschränken. Derzeit bieten Kabelnetzbetreiber und die Deutsche Telekom über Kupfer Geschwindigkeiten zwischen 30 und 100 MBit an. 2012 soll aber in zehn deutschen Großstädten das Projekt Fibre to Home starten, das bis zu 200 MBit pro Sekunde ermöglichen wird, indem Glasfaser bis in die Wohnung liegt. Hoffen braucht man aber wohl nicht auf den Bund, denn die Verpflichtung zum Breitbandausbau wurde politisch ad acta gelegt.
Quelle:
Wissenschaftliche Institut für Kommunikationsdienste